Gunther Wosylus

Gunther Wosylus: Vom Puhdys-Schlagzeuger zum Studiopionier

Gunther Wosylus gehörte zu jener Besetzung der Puhdys, mit der die Band ihren Durchbruch schaffte. Von 1969 bis 1979 saß er am Schlagzeug und begleitete den Weg von englischsprachigen Coverversionen zu eigenen deutschsprachigen Rockliedern. Doch seine Laufbahn reicht über die Bühne hinaus: Wosylus schrieb Musik und betrieb in Kagel bei Berlin ein privates Tonstudio, das einen besonderen Platz in der DDR-Musikgeschichte einnimmt. Sein beruflicher Weg verbindet damit zwei Seiten des Ostrock: die Auftritte einer erfolgreichen Band und die Arbeit hinter den Aufnahmen, die auch anderen Musikern neue Möglichkeiten eröffnete.

Gunther Wosylus im Überblick

MerkmalAngaben
NameGunther Wosylus
TätigkeitenSchlagzeuger, Komponist und Tonstudiobetreiber
Bekannt durchSeine Mitgliedschaft bei den Puhdys
Zeit bei den Puhdys1969 bis 1979
Frühere musikalische StationModern-Sextett, die frühe Formation der Modern Soul Band
Nachfolger am Puhdys-SchlagzeugKlaus Scharfschwerdt
Bedeutende StudioarbeitPrivates Tonstudio in Kagel bei Berlin

Vor den Puhdys: Soulmusik in Ost-Berlin

Bereits vor seinem Einstieg bei den Puhdys spielte Wosylus in einer Formation, die sich amerikanischer Soulmusik widmete. Die Geschichte der Modern Soul Band nennt ihn als Schlagzeuger des Modern-Sextetts, das im Juli 1968 im Berliner Club „Freundschaft“ an den Start ging.

Zur Gruppe gehörten unter anderem der Keyboarder Gerhard „Hugo“ Laartz und der Bassist Eugen Hahn. Auf dem Programm standen zunächst Stücke von Otis Redding, Wilson Pickett und James Brown sowie jazzige Instrumentaltitel.

Diese Station zeigt, dass Wosylus schon vor seiner bekannten Rockband-Zeit in der Berliner Musikszene aktiv war. Das Modern-Sextett arbeitete mit Gesang, Bläsern und einer Rhythmusgruppe – einer anderen instrumentalen Besetzung als jener, mit der die Puhdys später bekannt wurden.

1969: Einstieg in die prägende Puhdys-Besetzung

Am 19. November 1969 traten die Puhdys im Freiberger Tivoli in der Besetzung auf, die ihre frühen Erfolgsjahre bestimmen sollte: Dieter Birr, Dieter Hertrampf, Peter Meyer, Harry Jeske und Gunther Wosylus. Dieser Auftritt gilt als Gründungsdatum der später erfolgreichen Band.

Die Vorgeschichte reicht allerdings bis 1965 zurück. Damals bestand die Udo-Wendel-Combo, aus der sich die Puhdys entwickelten. Am Schlagzeug spielte zunächst Udo Jacob. Wosylus gehört somit zur klassischen Besetzung ab 1969; die Bezeichnung als allererster Schlagzeuger der gesamten Bandgeschichte wäre ungenau.

Auch der Bandname entstand vor seinem Einstieg. Die Buchstaben P, U, H und D gingen auf die Vornamen Peter, Udo, Harry und Dieter zurück. Mit dem Zusatz „ys“ wurde daraus der Name Puhdys.

Von Coverversionen zu eigenen Rockliedern

Anfangs orientierte sich die Gruppe an internationalen Rockbands und spielte englischsprachige Coverversionen. Für Auftritte im DDR-Fernsehen und die Präsenz im Hörfunk wurden eigene Titel mit deutschen Texten wichtig.

1971 entstand „Türen öffnen sich zur Stadt“ mit einem Text von Wolfgang Tilgner. Der Song wurde zum ersten Hit der Puhdys. Wosylus erlebte diesen Wechsel als Mitglied der Band unmittelbar mit: Aus einem Repertoire fremder Stücke entwickelte sich ein eigenes Programm, das den Weg zu Schallplattenveröffentlichungen eröffnete.

1973 folgte der Durchbruch durch die Musik zum DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“. Die Puhdys spielten dafür „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“ ein. 1974 erschien ihr Debütalbum bei AMIGA.

Gunther Wosylus als Komponist

Wosylus war innerhalb der Puhdys auch als Komponist tätig. Das offizielle Songarchiv der Band nennt ihn bei „Zeiten und Weiten“ als Urheber der Musik. Für den Text werden Wolfgang Tilgner und Dieter Birr aufgeführt.

Das Stück gehört zum Debütalbum „PUHDYS 1“. Bereits die erste Single der Gruppe verband 1973 „Geh zu ihr“ mit „Zeiten und Weiten“. Wosylus’ Komposition war damit auf einer frühen Veröffentlichung vertreten, noch bevor die erste LP erschien.

Ein weiteres Beispiel ist „Wie ein Pfeil“. Hier nennt die Band ebenfalls Gunther Wosylus für die Komposition; der Text stammt von Burkhard Lasch. Diese Angaben machen seine musikalische Autorenschaft an konkreten Werken nachvollziehbar.

Auch außerhalb dieser Titel lässt sich sein Name in einem Bibliothekskatalog finden. Die SLUB Dresden verzeichnet die Notenausgabe „Auf Achse: Reggae-Rock“, erschienen 1981 im Leipziger Harth-Musik-Verlag. Als Komponist wird Wosylus genannt, als Bearbeiter Lothar Joswiak.

Der Wechsel am Schlagzeug 1979

1979 verließ Gunther Wosylus die Puhdys. Klaus Scharfschwerdt übernahm seinen Platz. Die offizielle Bandbiografie Scharfschwerdts bestätigt diesen Wechsel.

Damit endete die rund zehnjährige Phase der klassischen Besetzung. Keyboarder Peter Meyer beschrieb später in einem Interview mit Deutsche Mugge, dass sich Scharfschwerdt in seiner Spielweise und seinem rhythmischen Antrieb deutlich von Wosylus unterschied.

Für Wosylus verlagerte sich der berufliche Schwerpunkt zur Aufnahmeproduktion. Die Musikgeschichte der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar verbindet seinen Ausstieg mit dem Aufbau eines privaten Tonstudios in Kagel nahe Grünheide.

Das Tonstudio Kagel und seine Bedeutung

Das Studio in Kagel wird in der musikhistorischen Darstellung der Hochschule Weimar als erstes privates Tonstudio der DDR eingeordnet. Damit gehört Wosylus zu den frühen Akteuren einer Entwicklung, die die Produktionsbedingungen für DDR-Musiker veränderte.

Der Musikhistoriker Michael Rauhut beschreibt, wie Wosylus Nachwuchsbands betreute, im Amateurbereich arbeitete und Aufnahmen für Schallplatte, Hörfunk und Fernsehen anfertigte. Seine Tätigkeit umfasste somit sowohl die Unterstützung jüngerer Musiker als auch Produktionen für etablierte Medien.

Aufnahmeproduktion zwischen Eigeninitiative und Genehmigung

Der Betrieb entstand unter besonderen administrativen Bedingungen. Rauhuts Untersuchung erläutert, dass für die Zulassung des Studios politische Unterstützung und eine Gewerbegenehmigung nötig waren. Wosylus setzte außerdem westliche Studiotechnik ein.

Die Anerkennung des Betriebs schuf einen Präzedenzfall für weitere private Studios. Solche Einrichtungen gewannen in den 1980er-Jahren erheblich an Bedeutung: Sie belieferten Medien mit Aufnahmen und ermöglichten zugleich Produktionen für den Vertrieb auf Musikkassetten.

Wosylus’ Beitrag zur DDR-Musik bestand daher auch darin, Aufnahmegelegenheiten zu schaffen. Neben seinen eigenen musikalischen Arbeiten wurde die technische und organisatorische Grundlage für die Musik anderer Künstler zu einem wichtigen Teil seiner Laufbahn.

Der Weg nach Westdeutschland

1986 blieb Wosylus nach einer Dienstreise in Westdeutschland und kehrte nicht in die DDR zurück. Rauhut datiert diesen Schritt auf den 18. Oktober 1986.

Eine spätere berufliche Station lässt sich durch Peter Meyers Interview aus dem Jahr 2008 einordnen. Meyer erzählte damals, Wosylus sei in Hamburg und beschäftige sich mit Studioeinrichtungen. Die Aussage dokumentiert eine fortgesetzte Verbindung zur Studiotechnik zu diesem Zeitpunkt.

Häufige Fragen zu Gunther Wosylus

Wer ist Gunther Wosylus?

Gunther Wosylus ist ein Schlagzeuger und Komponist, der durch die Puhdys bekannt wurde. Außerdem betrieb er ein privates Tonstudio in Kagel bei Berlin.

Wann spielte Gunther Wosylus bei den Puhdys?

Er gehörte von 1969 bis 1979 zur Band. Diese Zeit umfasst den Durchbruch mit der Filmmusik zu „Die Legende von Paul und Paula“ und die frühen Albumveröffentlichungen.

War er der erste Schlagzeuger der Puhdys?

Er war der Schlagzeuger der klassischen Besetzung ab 1969. In der Vorgeschichte der Band spielte bereits Udo Jacob Schlagzeug.

Welche Lieder komponierte Gunther Wosylus?

Das offizielle Puhdys-Archiv nennt ihn als Komponisten von „Zeiten und Weiten“ und „Wie ein Pfeil“. Die Notenausgabe „Auf Achse“ weist ebenfalls seine musikalische Autorenschaft aus.

Was war das Besondere an seinem Tonstudio?

Das Studio Kagel gehörte zu den Anfängen privater Aufnahmeproduktion in der DDR. Wosylus arbeitete dort mit Nachwuchsmusikern und produzierte Aufnahmen für verschiedene Medien.

Fazit

Gunther Wosylus gehört sowohl zur frühen Erfolgsgeschichte der Puhdys als auch zur Geschichte privater Tonstudios in der DDR. Seine Kompositionen ergänzen das Bild des Schlagzeugers um eine eigene musikalische Handschrift. Mit dem Studio Kagel schuf er darüber hinaus Möglichkeiten für Künstler, deren Arbeit hinter den Kulissen begann.

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